Der Konsum von Cannabis Tee stellt für viele Patient:innen eine gut verträgliche Möglichkeit dar, medizinisches Cannabis einzunehmen. Diese Methode lässt sich mit sämtlichen verfügbaren Cannabissorten umsetzen und individuell an persönliche Vorlieben anpassen. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, welche Schritte bei der Zubereitung von Cannabis Tee zu beachten sind. Zudem erfahren Sie, wie diese traditionelle Darreichungsform Ihren Therapieprozess unterstützen kann.
Cannabis-Tee – Rezept und Zubereitung
Für die Zubereitung von Cannabis Tee benötigen Sie folgende Zutaten und Utensilien:
- Einen Kochtopf (ein Wasserkocher ist nicht ausreichend!)
- Ein Teesieb oder eine Filterkanne
- 350–400 ml Wasser
- Zerkleinerte Cannabisblüten
- 1 TL Sahne, Kokosöl oder Milch
- Zuckerwürfel, Kandis oder Honig (optional)
- Ärztliche Gebrauchsanweisung (bei individuellen Anpassungen)
Es reicht nicht aus, Cannabisblüten einfach mit heißem Wasser zu übergießen. Um einen wirksamen Cannabis Tee herzustellen, muss die Decarboxylierung der Blüten sichergestellt werden. Dieser durch kontinuierliches Erhitzen ausgelöste Prozess aktiviert die Wirkstoffe der Pflanze, sodass sie für die medizinische Anwendung nutzbar und konsumierbar werden. Dabei werden Kohlenstoffdioxidmoleküle abgespalten, wodurch die in Cannabis enthaltenen Cannabinoidsäuren THCa und CBDa in aktives THC beziehungsweise CBD umgewandelt werden.
Die Harzbildung gehört, ebenso wie die oft unerwünschte Produktion von Microseeds, zu den natürlichen Strategien der Pflanze, um ihre Fortpflanzung zu sichern. [2]

Die Decarboxylierung kann problemlos in der heimischen Küche durchgeführt werden. Alles, was dafür benötigt wird, ist ein Kochtopf, Wasser und etwas Geduld. Zudem ist zu beachten, dass Cannabinoide fettlöslich sind (1). Aus diesem Grund enthält unser Rezept einen Teelöffel Sahne, Kokosöl oder Milch.
Schritt 1:
Geben Sie das Wasser, den Fettträger (Sahne, Kokosöl oder Milch) sowie die ärztlich empfohlene Menge an Cannabisblüten in einen Kochtopf und erhitzen Sie die Mischung, bis das Wasser zu köcheln beginnt.

Schritt 2:
Lassen Sie den Cannabis Tee bei einer konstanten Temperatur von 80–100 °C für 60 Minuten leicht köcheln.

Schritt 3:
Gießen Sie den Tee anschließend vorsichtig durch ein Teesieb in das gewünschte Gefäß oder direkt in eine Filterkanne.

Schritt 4:
Da Cannabis Tee in diesem Zustand einen sehr bitteren Geschmack haben kann, können Sie ihn nach Belieben mit Zuckerwürfeln, Kandis oder Honig süßen.

Schritt 5:
Nun ist der Cannabis Tee trinkfertig. Er bleibt auch im kalten Zustand wirksam. Falls eine mehrfache Einnahme pro Tag ärztlich empfohlen wurde, kann der Tee vorbereitet und in einer Thermoskanne oder einem ähnlichen Behälter aufbewahrt werden.
Sollte die ärztliche Gebrauchsanweisung, die Sie zu Ihrem Rezept erhalten haben, von unseren Empfehlungen abweichen, ist dieser stets der Vorrang zu geben. In bestimmten Fällen wird zudem davon abgeraten, dem Cannabis Tee einen Fettträger hinzuzufügen, da dies die Wirkung verstärken könnte. Klären Sie daher mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche Zubereitungsmethode für Sie am besten geeignet ist.

Andere Methoden zur Decarboxylierung von medizinischem Cannabis
Neben der Zubereitung im Kochtopf kann die Decarboxylierung auch im Backofen erfolgen. Diese Methode eignet sich besonders, wenn die Blüten vorbereitet, aber nicht sofort für die Teezubereitung verwendet werden sollen.
Für die Decarboxylierung im Backofen werden die zerkleinerten Blüten gleichmäßig auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilt und in einem vorgeheizten Ofen bei 105 °C für 45–50 Minuten gebacken.
Nutzen Sie dabei die Funktion für Ober- und Unterhitze. Nach dem Backen können die Blüten entnommen, mit heißem Wasser übergossen und als wirksamer Cannabis Tee konsumiert werden. Alternativ lassen sich die vorbereiteten Blüten auch für die Herstellung von Edibles verwenden. Um eine zuverlässige Wirkung und individuelle Verträglichkeit sicherzustellen, sollte die Anwendung jedoch immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin erfolgen.
Wie wirkt Cannabis Tee im Körper?
Die Wirkung von Cannabis Tee setzt etwa 30–90 Minuten nach der Einnahme ein. Der genaue Zeitraum variiert je nach verwendeter Cannabissorte, Dosierung und individueller Toleranz. Nach dem Konsum verdaut der Körper die aufgenommene Flüssigkeit und transportiert die enthaltenen Cannabinoide in den Blutkreislauf. Von dort aus entfalten sie ihre Wirkung auf das Endocannabinoid-System sowie das Gehirn der Patient:innen.
Der maximale Effekt tritt nach etwa 2–4 Stunden ein. Zudem kann die Wirkung bis zu 8 Stunden anhalten – deutlich länger als bei vielen anderen Darreichungsformen (2).

Welche Wirkung hat Cannabis Tee?
Die Wirkung von Cannabis Tee hängt vom Wirkungsprofil der verwendeten Blüten ab. Entscheidend sind hierbei die enthaltene Menge sowie das Verhältnis von THC und CBD. Zu den möglichen medizinischen Anwendungsbereichen von Cannabis Tee gehören die Schmerzlinderung (3), die Reduktion von Angstzuständen (4), die Unterstützung bei Schlafstörungen (5) sowie die Linderung von Übelkeit (6). Zudem kann Cannabis Tee den Appetit anregen (3).
Ein hoher THC-Gehalt im Cannabis Tee kann zudem ein Gefühl der Euphorie hervorrufen (7). Wird die empfohlene Dosierung überschritten, kann es zu unerwünschten Begleiterscheinungen wie Angstgefühlen, Schwindel oder Paranoia kommen. Da eine Cannabistherapie jedoch grundsätzlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgt, wird das Risiko solcher Nebenwirkungen minimiert (2). Aus diesem Grund ist es wichtig, die ärztlichen Anweisungen sowie die Mengen- und Dosierungsempfehlungen auf dem Cannabis-Rezept genau einzuhalten.
Welche Vorteile bietet Cannabis Tee im Vergleich zu anderen Darreichungsformen?
Für viele Patient:innen stellt Cannabis Tee eine vertraute und angenehme Möglichkeit der Einnahme dar, insbesondere wenn sie das Inhalieren von Arznei- oder Genussmitteln vermeiden möchten. Dies kann einerseits eine Frage des persönlichen Geschmacks sein, andererseits profitieren auch Menschen mit Lungenerkrankungen von dieser Form der Anwendung, da sie die Atemwege schont. In solchen Fällen bietet Cannabis Tee eine gut verträgliche Alternative (2).
Ein weiteres Eigenschaft von Cannabis Tee ist seine im Vergleich zu anderen Darreichungsformen deutlich längere Wirkungsdauer. Je nach Dosierung kann die Wirkung nahezu den gesamten Tag über spürbar bleiben. Gleichzeitig stellt dies jedoch auch die größte Herausforderung dar: Die langanhaltende Wirkung erfordert eine angepasste Tagesplanung, da Cannabis die Fähigkeit zur Koordination beeinträchtigen kann. Auch mögliche Schläfrigkeit sollte dabei berücksichtigt werden (2).

Zerkleinerte Blüten für die Zubereitung von Cannabis Tee
Ob und in welcher Form die Einnahme von medizinischem Cannabis als Tee geeignet ist, sollte stets mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin besprochen werden. Falls auf Ihrem ärztlichen Rezept für Cannabis Tee der Code „NRF 22.14“ vermerkt ist, werden die Blüten in der Apotheke bereits für die Teezubereitung zerkleinert.
Ist dies nicht der Fall, obwohl die Einnahme als Tee empfohlen wurde, müssen Patient:innen die Blüten selbstständig zermahlen. Hierfür wird ein Grinder oder ein vergleichbares Werkzeug benötigt, das eine gleichmäßige Zerkleinerung der Blüten ermöglicht.
Verschiedene Sorten für medizinischen Cannabis Tee
Für den therapeutischen Einsatz von Cannabis Tee können unterschiedliche Sorten verwendet werden, die sich sowohl in Geschmack als auch in ihrer Wirkung unterscheiden. Je nach individuellem Bedarf werden sie für verschiedene Formen der Cannabistherapie eingesetzt. Nach aktuellem Forschungsstand haben insbesondere der THC- und CBD-Gehalt den größten Einfluss auf das medizinische Wirkungsprofil einer Cannabissorte. Darüber hinaus können auch Terpene und Flavonoide die Eigenschaften der jeweiligen Sorte beeinflussen (8).
Neben dem Wirkstoffgehalt werden Cannabissorten entsprechend ihrer genetischen Herkunft in Indica-, Sativa- und Hybridsorten eingeteilt. Diese Klassifizierung gibt häufig Hinweise auf den potenziellen medizinischen Verwendungszweck. So werden Indica-Sorten häufig mit einer eher körperlich entspannenden, sedierenden Wirkung in Verbindung gebracht, während Sativa-Sorten eher als anregend gelten (8). Weitere Informationen zu den typischen Eigenschaften der verschiedenen Cannabissorten finden Sie in unserem ausführlichen Beitrag. Welche Sorte letztlich für die medizinische Anwendung als Cannabis Tee geeignet ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt individuell für jede Patientin und jeden Patienten.
Cannabispatient werden
Medizinisches Cannabis ist ein Arzneimittel mit vielfältigen Anwendungsgebieten. Da es sich bei medizinischem Cannabis um ein verschreibungspflichtiges Medikament handelt, benötigen Sie ein ärztliches Rezept, um es in der Apotheke kaufen zu dürfen.
Wenn Sie eine Cannabistherapie erwägen, erhalten Sie fachkundige Beratung durch die Kooperationsärzte bei nowomed. Registrieren Sie sich dazu kostenlos und füllen Sie unseren Anamnesebogen aus. Anschließend haben Sie die Möglichkeit, ein Erstgespräch mit einem Kooperationsarzt zu buchen. Im Verlauf dieses Gesprächs prüfen die Ärzte Ihre Eignung für die Cannabistherapie, entwickeln einen Therapieplan und beantworten gerne alle Ihre Fragen. Sollte sich eine Cannabistherapie für Sie als medizinisch sinnvoll erweisen, erhalten Sie außerdemein Cannabis Rezept.
Moreno, T., Dyer, P. & Tallon, S. (2020). Cannabinoid Decarboxylation: A Comparative Kinetic Study. Industrial & Engerineering Chemistry Research, 59(46).
Müller-Vahl, K. & Grotenhemen, F. (2017, Februrary 24). Medizinisches Cannabis. Die wichtigsten Änderungen. Deutsches Ärzteblatt, 114(8), 352-356.
Kalant, H. (2001). Medicinal Use of Cannabis: History and Current Status. Pain Research and Management, vol. 6.
Skelley, J. W. et al. (2020). Use of cannabidiol in anxiety and anxiety-related disorders. Journal of the American Pharmacists Association, 60(1), 253-261.
Moltke, J. & Hondocha, C. (2021). Reasons for cannabidiol use: a cross-sectional study of CBD users, focusing on self-perceived stress, anxiety and sleep problems. Journal of Cannabis Research, 3(5).
Stith, S. et al. (2022). The Effectiveness of Common Cannabis Products for Treatment of Nausea. Journal of Clinical Gastroenterology, 56(4), 331-338.
Lee, J. (2023). Tetrahydrocannabinol and Dopamine D1 Receptor. ChemRxiv. Cambridge Open Engage.
Elzinga, S., Raber, J., Fischerdick, J. T. (2015). Cannabinoids and Terpenes as Chemotaxonomic Markers in Cannabis. Natural Products Chemistry & Research, 3(4).